Aus der Festschrift: „125 Jahre Pfarrkirche St. Peter in Nettetal-Hinsbeck“

(Hrsg. Pfarrgemeinde St. Peter Hinsbeck / Bilder (C) ebenda)

 

Am 17.9.1867 weihte der Münsteraner Weihbischof das neue Gotteshaus. Die Kirche wurde unter der Leitung des  Architekten Vincent Statz in ihrer heutigen Form erbaut. (Innenmaße Langhaus bis vor dem Turm: 48 x 18 m, Höhe: 15 rn, Länge des Querschiffs: 28 m) Der jetzige Kirchturm, in seinem für das späte 19.Jahrhundert am Niederrhein typischen Baustil, wurde erst 1882 erbaut und bestimmt das Bild unseres Dorfes. Seine Höhe beträgt 64 m, das Seitenmaß 5 x 9 m. In ungehemmter Bewegung steigen die feingliedrigen Strebepfeiler nach oben. Die kleinen Flankentürme des Querhauses bilden hierzu ein passendes Begleitmotiv. Der Turm ist so hoch, dass er fast von allen Hinsbeckern gesehen werden kann. Er zeigt ihnen den Mittelpunkt ihrer Pfarre und den Ort ihres gemeinsamen Gebetes. Sie wissen, hier ist
unsere Heimat, hier sind wir zu Haus. Im Stile der Neugotik wurde die Kirche nach und nach ausgestattet. Der Hauptaltar ist dem hl. Petrus geweiht, der rechte Seitenaltar den Heiligen Nikolaus und Katharina, der Altar hinter der Orgel der Gottesmutter, der heiligen Anna und dem heiligen Joachim.

 

Aus der Geschichte der Pfarre

 

Die Pfarre aber ist wesentlich älter, eine der ältesten unserer Heimat. Der Amandusbrunnen auf der Hinsbecker Heide erinnert an den heiligen Bischof von Maastricht, der hier gepredigt und getauft haben soll, etwa 647 - 649. Bischof Amandus gründete u. a. Klöster und Kirchen im Raume Gent und Antwerpen, die alle dem hl. Petrus geweiht wurden. Die Sage lässt auch in Hinsbeck den hl. Amandus einen heidnischen Tempel zum christlichen Gotteshaus umwandeln, dem hl. Petrus geweiht.

 

Hinsbecks St. Peter war einmal über den Bereich des Amtes Krieckenbeck hinaus (ohne Lobberich) die zuständige Pfarre bis zu einer Entfernung von fünf Wegstunden, wie an den Kirchenwegen zu erkennen ist. Man will in der Hinsbecker Kirche das Gotteshaus des karolingischen Königsgutes Herongen sehen. Urkundlich genannt wird die Kirche erstmals 1238 mit der Erwähnung eines Priesters Philippus.

 

Wie sah die erste Kirche aus?

Genaue Unterlagen gibt es nicht. Im alten Lagerbuch der Pfarre existiert lediglich die hier abgebildete Zeichnung über die Vorgängerin unseres heutigen Gotteshauses. Auf früheren Katasterkarten ist ihr Grundriss zu erkennen. 1868 wurde die alte Kirche bis auf den Turm abgerissen. Der Turm stand noch bis 1882. Aus der alten Kirche wurden manch kostbare Dinge in die neue Kirche übertragen:  Das 1,61 m hohe Taufbecken aus Bronze ist aus dem]ahre 1441, ein durch die von der gewöhnlichen Gestalt abweichen- de Ausführung außerordentlich interessantes Werk eines Meisters ]an.  Das Becken hat die Form einer Kelchkuppel und ruht mittels eines runden Schaftes auf einem breiten, vielfach profiliertem Fuß, der von drei großen frei stilisierten Löwen mit mächtigen Köpfen getragen wird, die zwischen den Vorderpranken einen Rundstab halten. Auf dem Fuß steht:

 
 
 
Taufbecken

Taufbecken

Vollbild

 
 
 

"INT ]AR ONS HEREN MCCCCXLI OP ONSER VROUWEN AVENT NATIVITATIS]AN".

Übersetzung: Im ]ahr unseres Herren 1441, am Abend vor Mariä Geburt von ]an gegossen.

 

Der Deckel wurde 1636 geraubt. Erst im 18.]ahrhundert wurde er durch den heute noch vorhandenen Messingdeckel ersetzt.

Der Heiland des Triumphkreuzes über dem Altar stammt vom Anfang des 16. Jahrhunderts. Er zeigt Jesus, der bereits den Sieg am Kreuz errungen hat. Der vordere Kronleuchter aus dem 17. Jahrhundert ist aus Messing, in der Mitte eine Kugel mit 8 reichverzierten Armen, von einem Adler gekrönt. Der zweite Leuchter wurde 1901 nachgegossen. Sechs Wandleuchter aus Messing stammen aus dem 18 Jh. Zwei sind nachgearbeitet. In ihrer Gesamtheit symbolisieren sie die 12 Apostel. Die kleine Madonna, links an einer Säule, und die Figuren der Heiligen Petrus, Antonius, Sebastian sowie Rochus sind barock. Der hl. Josef ist vom Anfang des 19. Jh. In der Sakristei steht ein Barocker Paramentenschrank mit geschnitzten Fruchtstücken und Engelsköpfen. Die Jahreszahl 1682 ist eingeschnitzt. Eine Monstranz und ein Kelch sind noch aus der alten Kirche. Zur Hundertjahrfeier der Pfarrkirche schuf der Hinsbecker Bildhauer Jupp Rübsam den Kreuzweg. Er verteilte die Stationen in einer Zusammenfassung von je drei und vier Darstellungen. Das Kreuz bindet sie zusammen. In den ersten und letzten vier Stationen erkennt man das aufgerichtete Kreuz. In der Mitte sind insgesamt sechs Reliefs mit liegendem Kreuz. In dieser Art steht und lastet das Kreuz wirklich mitten im Leben des Herrn.

1967 wurden die Fenster der Kirche vollendet. Der Hinsbecker Kunstmaler joharmes Beeck hat sie gestaltet.

Das Hauptthema der Fenster ist ein Wort unseres Pfarrpatrons:"Der Gott aller Gnade hat euch zu seiner Herrlichkeit in  Christusjesus berufen". Im Chorfenster über dem Altar sehen wir: Der Vater sendet den Sohn, die Menschheit heimzuholen. Jesus gibt diesen Auftrag an Petrus weiter: "Von nun an sollst du Menschen fangen". Petrus, noch ganz judaistisch befangen, erfährt erst die Weltweite dieses Auftrages in der Erscheinung des weißen Tuches mit den reinen und unreinen Tieren. Die Chorfenster zeigen die Antwort des hl. Petrus auf diesen Ruf, den er an die Menschen weitergetragen hat in den 7 Sakramenten (linke Chorseite) und durch sein Wirken mit den sieben Gaben des hl. Geistes (rechte Chorseite). Im Langschiff auf der rechten Seite ist das Leben, das Leiden und die Verherrlichung des Herrn dargestellt, wie sie in den Geheimnissen des Rosenkranzes aufgezeichnet sind. Auf der rechten Seite schauen wir die Heiligen, wie sie in der Nachfolge des Herrn gelebt haben.

 

Im Jahre 1985 wurde die Kirche restauriert und ein neuer Messaltar aufgestellt, wobei die Platte von dem Altar aus 1954 verwandt wurde.

Das Jubiläumsgeschenk für die Kirche ist die neue Petrusglocke. Schon viele Jahrhunderte läutete in Hinsbeck die 1450 kg schwere Marienglocke. Ihre Inschrift: "Im Jahre des Herrn 1519. Selige, ruhmreiche Jungfrau. Johannes von Straelen und Gerhard von Venlo haben mich gegossen".

 
 
 
Petrus-Glcoke

Petrus-Glcoke

Vollbild

 
 
 

Zwei Glocken wurden 1950 geweiht. Auf der 844 kg schweren Josefsglocke steht: "Wer auf Josef fest vertraut, der hat gar fest sein Haus gebaut", auf der 518 kg schweren Antoniusglocke : "St. Antonius vom Himmel aus, segne Feld und Stall und Haus". Schon 1950 war eine vierte Glocke geplant mit dem Ton d. Die vier Glocken, zusammen e, fis, a und d, ergeben den Anfang des Liedes: „Freu dich, du Himmelskönigin“.

 

Die neue Petrusglocke wiegt 1850 kg. Sie trägt das Bild des hl. Petrus, die Jahreszahl 1992, den Namen des Stifters Ernst Imhorst und die Inschrift: "Zu den Festen rufe uns, in der Todesstunde begleite uns". Nur an hohen Festen sollen alle vier Glocken zusammen läuten, für unsere lieben Toten die neue Glocke alleine.

Seit 125 Jahren ist die Kirche nun Mittelpunkt unseres Dorfes. Harmonisch ist sie eingebettet in Dorf und Landschaft; Harmonie herrscht auch im Innern, obwohl viele Jahrhunderte an der Ausstattung mithalfen. In dieser Kirche findet der Mensch Ruhe und Frieden, hier schenkt ihm der Herr selber Kraft für das Leben. 

Die Zahl der Sonntagskirchenbesucher ist auch in Hinsbeck erheblich gesunken. Erheblich gestiegen jedoch ist die Zahl derer, die gewillt ist, Verantwortung für die Pfarre zu übernehmen. Was nützt die schönste Kirche, wenn sie nicht gefüllt ist mit lebendigen Steinen. Von diesen lebendigen Steinen aber gibt es viele in unserer Pfarre. So können wir frohen Mutes 1992 Kirchweih feiern, denn wir vertrauen fest darauf: Hier ist der Herr selber mitten unter uns.

Materialien, Flyer etc. zur Geschichte

  • 02.01.2012

Flyer "Unsere Pfarrkirche"

steht zum download bereit

Herausgeber VVV Hinsbeck

mehr